Rostschutz mit Lacken

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    • An dieser Stelle mal ein Wort zu den Herstellern und Rost!

      Wie Ihr sicher wisst, komme ich aus dem Schiffsbau. Hab heute morgen Ahab [Biggrins] (Vossy) angerufen um mit Ihm das Vorgehen abzustimmen, was den Bus betrifft. Dabei sind wir dann bei dem Thema Versiegelung von Lack durch die Hersteller gekommen. Ich als Schiffsbauer bin echt überrascht gewesen, wie leichtfertig die Hersteller einen guten Koorossionsschutz nehmen.

      Wenn bei der Herstellung eins KFZ auch nur ein wenig mehr auf diesen Schutz Wert gelegt würde, hätte man all diese Probleme nicht. Hier wird noch wie im Mittelalter gearbeitet - mit irgendwelchen Wachsen und Ölen [Das ist ja wohl der Hammer!] . Das man da Stress mit Rost hat, ist kein Wunder. Ich habe mir das Statment von Vossy erstmal ohne weiteren Kommentar angehört und habe beschlossen hier mal meine Meinung kund zutun! [lol]

      Öle und Harze hatte einen gewissen Ansatz als Korossionschutz in der Industrie bin in die 20iger Jahre - jedenfalls unter der seriösen Industrie - zu denen ich die Hersteller von Autos nicht zählen möchte. [Gesicht] Denn das was die da machen ist- ein sterben auf Zeit für jeden Wagen - aus Gewinn und Verkaufüberlegungen sicher in Ordnung - nicht jedoch für uns.

      Leute - vergesst die alte Scheisse - haut Wachse und Öle in die Tonne - wer sowas weiter verwendet um Korossion zu verhindern ist einfach nur dumm! Wir leben im 21 Jahrhundert und da gibt es Materialien die den Namen Korossionsschutz wirklich verdienen! Vossy nicht böse sein - was du mir da erzählt hast - dem stimme ich nicht zu.

      Der Schiffsbau:

      In einem großen seegehenden Schiff - ob Tanker, Kontainer, Luxusliner oder oder Schiff - alle diese Schiffe werden heute mit modernsten Lacken und Harzen spezifisch den Anforderungen lackiert. Der Rumpf anders als die Aufbauten oder die Tanks oder die Innenräume. Oberstes Ziel aber ist es - agressives Salzwasser so vom Stahl fernzuhalten, dass kein Rost mehr entsteht - und das bei unterschiedlichen Anwendungsvoraussetzungen. Ein Lukdeckel der aufgeschmissen wird und einer hohen mechanischen Beanspruchung ausgesetz ist - muss anderes lackiert werden, als ein Spant tief unten im Schiff.

      Der Spant ist nur dem agressiven Seewasser ausgesetzt und hat nur ein minimale Oberflächenbeanspruchung - der Lack muss gut und dicht auflackiert sein, so dass keine Luft und Dampf an den Stahl kommt. Der Lukdeckel wird an der Oberfläche zusätzlich stark beansprucht und bedarf deshalb eines anderen Finnish des Lacks. Wie bei unseren Bussen eben alles was ständig mit Steinchen und Dreck und Wasser bepritzt wird - also die Radkästen z.b.

      Klar das die Teile rosten, wenn da nur Wachs drauf ist - und Bitumen (Unterbodenschutz) kann da auch überhaupt nicht helfen, weil durch mechanische Beanspruchung ein Lösen der Schicht vom Stahl über mehr kurz als lang kommt. Dann ist Wasser dazwischen und der Stahl stirbt.

      Also was machen?

      Dazu müssen wir erstmal wissen, wie Rost entsteht. Rost ist eigentlich nicht anderes als eine Verbrennung, ausgelöst durch einen Katalysator. Das heisst Eisen FE verbindet sich zusätzlich mit einem Sauerstoffatom und wird zu Eisenoxid. Dies geschiet durch Säure. Die Säure bindet Sauerstoffatome des Wassers an das Eisenmolikül druch Elektrolyse.

      Wieso kommt an unsere Wagen Säure?

      Säüre entsteht durch Lösung von Metallspuren und Salzen. Wenn man Eisen in Destilliertes Wasser legen würde, könnte keine Rost entstehen. Aber das Wasser wo unsere Wagen durchfahren ist leider nicht ohne irgendwelche Substanzen. Wir haben Salze, wir haben Schwefel und viele Zusatzstoffe die das Wasser agressiv machen. Dringt dieses scharfe Wasser an den Stahl, dann passiert genau das was wir Rost nennen - Es entsteht Eisenoxid

      Was also muss passieren?

      Wir müssen den Stahl Dampfgeschützt isolieren. Das bedeutet, dass eine geschlossene Schicht Lack oder Material auf den Stahl gebracht werden muss, der mit dem Stahl eine feste Bindung eingeht, so dass es sich nicht ablösen kann - und so dicht ist, dass auch nicht einmal Wasserdampf eindringen kann. Das kann man nicht so ohne Weiteres erreichen. Man muss in mehreren vordeffinierten Lackschichten arbeiten, die erst dann auch wirklich dicht sind. Dann muss ein Endfinnish aufgebracht werden, was den mechanischen Beanspruchungen gerecht wird.

      Moderne Anstrichsysteme bassieren heute auf dem Epoxy-Harz als Trägermaterial. Die Eigenschaften habe ich in einer anderen Post schon einmal beschrieben. Epoxy geht mit dem Stahl, bei entsprechender Grundbehandlung eine dauerhafte Beziehung ein. Es muss nur dafür gesorgt werden, dass entsprechend eingestelltes Material verwendet wird. Dann ist es wichtig, die entsprechende Schichtdicke zu erzeugen und selbstverständlich auch wirklich alles damit zu versiegeln - auch die kleinste Ecke. EP-Harze sind einfach zu verdünnen - und können so auch in die kleinsten Ritzen verteilt werden. Bitte immer die Herstellerangaben dazu beachten. Danach sollte eine echte Dampfsperre eingebaut werden. Diese erhält man durch den Einsatz eines 2 K PU-Lacks (nicht Acryl). Diesen Lack gibt es in unterschiedlichen Ansätzen - Feuergefährlichkeit, mechanische Beanspruchung, resistent gegen Säuren, oder Öle oder oder. Auch hier immer den Lack zur Anwendung bringen, der in der Umgebung am sinnvollsten erscheint.

      Arbeitet man hier sauber und nach Vorgaben der Hersteller - insbesonders die Schichtdicken beachten, hat mach keinen Rost mehr für die nächsten 30 Jahre zu erwarten. Auch bedarf dieser Lackauftrag keine Nachbehandlung - wie das bei Harzen oder Ölen der Fall ist. Nur bei Beschädigungen sollte sofort Großflächig nachbehandelt werden.

      Ich werde Euch anhand meines Busses zeigen, wie so eine Behandlung aussieht. Sicherlich ist der einmalige Aufwand höher als der Driss - und wahrscheinlich auch um 40% teurer - aber in Anbetracht des Ergebnis eine lohnende Investition.

      Rheingold
      Grüße euer

      Bus-Community Team